Kolumbien: „Tranquilo, no hay problemas“

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Mit „Hercules“, dem 19 Jahre alten Landrover geht es durch den Fluss. Am Steuer der Bischof von Tibú. Fotos: Jürgen Escher

Wer denkt, dass Reisen in Lateinamerika ein Zuckerschlecken ist, irrt. Um 7 Uhr morgens soll unser Flieger von Tumaco nach Cali starten. Doch seit den frühen Morgenstunden peitscht ein Sturm über die Küstenstadt im äußersten Südwesten Kolumbiens. An Schlafen ist nicht zu denken. Und ans Reisen ebenso wenig. Solange eine Wolkendecke über der kurzen Flugpiste liegt, werden wir hier nicht wegkommen, das ist uns klar.

Um 6 Uhr gleicht Tumaco einem riesigen See. Kniehoch steht das Wasser in den Straßen. Der Flieger aus Cali, der uns auf dem Rückweg hoch in die Berge mitnehmen soll, kommt erst gar nicht. Wie ein Kartenhaus bricht unser Reiseplan zusammen: die beiden Anschlussflüge hinauf in den Nordosten werden wir verpassen. Und der Bischof von Tibú, unserem nächsten Ziel nahe der Grenze zu Venezuela, wird vergeblich am Flughafen von Cucuta auf uns warten. Weiterlesen

Kolumbien: 500 Bilder für 500 Ermordete

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Ulrike Purrer mit einer Jugendgruppe zu Besuch in der „Casa de la Memoria“. Fotos: Jürgen Escher

Das Zentrum Tumacos gleicht einem Ameisenhaufen. Straßenhändler bieten Früchte an, die allgegenwärtigen Motorräder befördern die Menschen als Taxiersatz für wenig Geld von einem Ende der Insel zum nächsten. Wir sollen die Fahrer nicht fotografieren, warnt unsere Gastgeberin Ulrike Purrer, Leiterin der Jugendarbeit der Diözese. Einige der Motorradfahrer seien gleichzeitig für viele der Ermordungen verantwortlich, stünden im Dienste der sich bekämpfenden Gruppen.

In einem schmalen Gebäude liegt die „Casa de la Memoria“, eine Gedenkstätte für die Opfer der anhaltenden Gewalt in Tumaco, die mit finanzieller Unterstützung von Adveniat aufgebaut wurde. Viermal so hoch wie im Landesdurchschnitt ist die Mordrate in der Stadt, kaum ein Jahr vergeht ohne 200 bis 300 Morde. In der „Casa“ hängen die Bilder von 500 Ermordeten. Ulrike Purrer ist heute mit ihrer Jugendgruppe vor Ort, zum ersten Mal besuchen die Jugendlichen die Gedenkstätte. Weiterlesen

Kolumbien: Leben als Ausnahmezustand

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Treffen mit Jugendlichen der Jugendpastoral in der „Casa de la Memoria“ (rechts: Ulrike Purrer). Fotos: Jürgen Escher

Die zweite Station unserer Kolumbienreise liegt im äußersten Süden, an der vom Rest des Landes isolierten Pazifikküste. Aus der Luft betrachtet liegt die 80.000 Einwohner zählende Küstenstadt Tumaco traumhaft, ein von Urwald umgebener Ort mit Badestränden. Doch bereits im Landeanflug können wir die armen Pfahlbauten sehen, die in die Mangroven hinein gebaut wurden.

Tumaco liegt auf zwei Inseln inmitten einer Bucht. Die große Mehrheit der Menschen hier sind Afrokolumbianer, die in den letzten Jahrzehnten aus den Urwaldregionen in die Stadt gezogen sind. Hier haben sie ihre Holzhütten auf Pfählen in die Uferregionen gebaut, wo sie unter prekären hygienischen Bedingungen leben. Weiterlesen