Venezuelas arme Kirche an der Seite der Armen

Lebensmittel gibt es nur zu horrenden Preisen. Medikamente fehlen. Die galoppierende Inflation frisst den sowieso karg bemessenen Lohn auf. Die Krise in Venezuela spitzt sich immer weiter zu. Die Kirche stellt sich in dieser Situation demonstrativ an die Seite des Volkes, der Menschen, der Armen.


Bischof Raul Biord von La Guaira und Adveniat-Referent Reiner Wilhelm in der Pfarrgemeinde Maria Auxiliadora.

Beeindruckt zeigt sich Adveniats Venezuela-Referent Reiner Wilhelm von der Hilfe, die die Kirche vor Ort im Bistum La Guaira organisiert. Seit eineinhalb Jahren haben 12 der insgesamt 25 Pfarreien gemeinschaftliche Armenspeisungen einmal pro Woche auf die Beine gestellt. Dabei haben sich die Caritas-Gruppen ganz unterschiedliche Modelle einfallen lassen. Gemeinsam ist allen: Es soll die Solidarität und die Gemeinschaft gefördert werden. Neben der Kirche Beata Maria de San José im Stadtteil Zamora kochen in einem großen, schwarzen Topf über offenem Feuer fünf Hühner mit allerlei Gemüse, das die Freiwilligen organisiert und zuvor klein geschnitten haben. Nach der Messe essen rund 100 Menschen gemeinsam, bevor in der Sakristei Kinder gemessen und gewogen, Schwangere betreut und Kranke mit den wenigen Medikamenten versorgt werden. Weiterlesen

„Vergesst Venezuela nicht!“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Busfahrer Lenin in seinem Bus

Busfahrer Lenin

Lenin, 58 Jahre alt, Busfahrer:

„Ich habe damals Hugo Chavez gewählt. Es hat mir gefallen wie er  den etablierten Politikern Dampf gemacht hat. Und es hat mir gefallen wir er die Wirtschaft in Schwung gebracht hat.

Viel ist davon nicht übriggeblieben. Leider ist unsere Wirtschaft komplett zusammengebrochen. In unserem Viertel ist es viel gefährlicher als früher. Es gibt viele bewaffnete Banden, die das Viertel kontrollieren. Die Menschen haben Angst wegen der Kriminalität.

Ich bin froh, dass ich gerade noch über die Runden komme. Aber diese Inflation ist mörderisch. Die Stimmung ist sehr schlecht. Ich weiß nicht, ob die Opposition es viel besser machen würde.
Was ich weiß ist, dass es nicht mehr schlechter und schlimmer werden kann als es jetzt ist. Wir wollen endlich wählen! Ich bitte den Rest der Welt: Schaut auf Venezuela. Vergesst unser Land nicht. Lasst uns nicht allein!“ Weiterlesen

„Ich möchte eine Zukunft in Venezuela“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Medizinstudentin Oriana Gutierrez

Medizinstudentin Oriana Gutierrez

Medizinstudentin Oriana Gutierrez, 22 Jahre alt:

„Wir müssen alles selbst mit ins Krankenhaus bringen. Es ist praktisch nichts vorhaden, was wir für unser Studium brauchen.

Ich demonstriere, weil ich ein Venezuela möchte, in dem wir uns frei bewegen können. So wie es war, als ich ein ganz kleines Mädchen war. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass wir damals noch um 23 Uhr sicher nach Hause kommen und ohne Probleme zum Supermarkt gehen konnten.

Ich möchte, dass wir jungen Venezolaner eine Zukunft haben. Ich möchte, dass wir uns von unserer Arbeit als Arzt irgendwann ein eigenes Haus und ein eigenes Auto kaufen können. Derzeit haben wir diese Möglichkeiten nicht.
Ob ich meine Zukunft in Venezuela oder in einem anderen Land sehe, hängt auch davon ab, wie sich die politische Situation entwickelt. Ich glaube, da sind wir jungen Venezolaner alle in der gleichen Situation.“ Weiterlesen

Simón Bolívar hat Geburtstag oder Der General in seinem Labyrinth

Eine Buchempfehlung des Adveniat-Bibliothekars Jörg Dietzel:

Am 24. Juli vor 232 Jahren wurde Simón Bolívar in Caracas/Venezuela geboren, sein Lebenskreis schloss sich am 17. Dezember 1830 in Santa Marta/Kolumbien.

Adveniat-Bibliothekar Jörg Dietzel. Foto: Adveniat/Echterhoff

Adveniat-Bibliothekar Jörg Dietzel. Foto: Adveniat/Echterhoff

Als mich die Kolleginnen aus dem Medienreferat anlässlich seines bevorstehenden Geburtstages um einige schriftliche Gedanken zu S. B. baten, sagte ich gerne zu – ohne zu wissen, worauf ich mich eingelassen hatte! Nun, ich bin weder Historiker noch Journalist. Jedoch gibt es einiges an Literatur über Bolívar, der eine recht vielschichtige Figur im historischen Kontext gewesen sein muss. Weiterlesen