Abenteuer Verkehr

„Tumulo!“ rufen die Beifahrer, doch da ist der Bischof schon über den kleinen Zementhügel gerauscht, der eigentlich zur Verkehrsberuhigung gedacht ist, und hat die Bandscheiben der Insassen auf eine harte Probe gestellt. Die Hügelchen tauchen ohne Vorwarnung auch auf Überlandstrassen auf und erfordern vom Autofahrer ein wahres Adlerauge – oder schlafwandlerisch sichere Ortskenntnis. Autofahren in Honduras ist ein Abenteuer. Verkehrsregeln sind relativ. Das fängt schon damit an, dass es kaum Verkehrsschilder gibt. Wer nicht weiss, wo es lang geht, kommt ohne Fragen niemals da hin, wo er will. Ortsangaben innerhalb der Hauptstadt Tegucigalpa sind für Fremde völlig unverständlich und lauten in etwa so: „Hinter der Umspannstation und dann ein Stück weiter nebem dem Supermarkt“. Parken in zweiter Reihe auf engen, zweispurigen Geschäftsstrassen ist üblich. Vorfahrtsregeln gibt es auch keine verbindlichen – es funktioniert nach dem Verhandlungsprinzip. Vorfahrt hat in der Regel der mit dem dickeren Gefährt, immer Busse und Laster. Die Hupe ist neben dem Gaspedal das wichtigste Accessoire. Ein weit gehend unverstandenes Zubehör hingegen ist der Blinker. Blinken, ohne abzubiegen und abbiegen, ohne zu blinken ist völlig normal. Auf Schnellstrassen ist es üblich, in unübersichtlichen Kurven zu überholen und den Gegenverkehr wenn nötig durch wildes Hupen auf die Standspur abzudrängen. Systematisches Kurvenschneiden gehört ebenso zum Verkehrsgeschehen wie geparkte Autos oder herumspazierende Kühe und Pferde in unübersichtlichen Kurven. Hübsch anzusehen sind auch die weissen Begrenzungslinien, die den Strassenrand oftmals in wilden Schlangenlinien oder fetzigem Zickzack verschönern. Auto fahren ist daher nichts für Menschen mit schwachem Nervenkostüm. Sollte es doch mal krachen, gibt es immerhin einen Trost: Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen sind völlig unbekannt. Weiterlesen