Brasilien: Heiligs-Cleverle in Aparecida

Läge sein Einsatzort im Schwäbischen, dann würden sie Dom Darci Nicioli dort ein Cleverle nennen. Vielleicht sogar ein Heiligs-Cleverle. Denn der Redemptoristenpater kümmert sich um fromme Angelegenheit, nur halt in Brasilien und nicht auf der Schwäbischen Alp. Er arbeitet im Range eines Weihbischofs als Wallfahrtsdirektor des Nationalheiligtums Aparecida, des größten Wallfahrtsort im ganzen Land mit jährlich mehr als elf Millionen Besuchern. Zum Vergleich: In Deutschland hält das bayerische Altötting mit einer knappen Million Pilgern den Spitzenplatz unter den Marienwallfahrtsorten. Weltweit braucht sich mit Aparecida im Bundesstaat Sao Paolo nur noch mit Guadalupe in Mexiko zu messen, wo pro Jahr 18 Millionen Pilger zusammenkommen sollen. Sollen – wie Dom Darci eigens betont. Die Kollegen oben in Mexiko arbeiten nämlich bloß mit Schätzungen, während er in Aparecida akribisch rechnen lässt: Jeder Fußwallfahrer, jedes Auto, jeder Bus wird von einer eigens dafür zuständigen Zählbrigade erfasst. Übers Jahr entsteht so ein genaues Profil der Pilgerströme. Dom Darci weiß damit, zu welcher Jahreszeit, an welchen Tagen der Ansturm der Massen am größten ist und kann seine Logistik darauf ausrichten: Verpflegung ordern, Getränke bereitstellen, die Zahl der Ordner festlegen. Das alles will schließlich gut geplant sein, damit der Besuch bei Unserer Lieben Erschienenen Frau glattgeht und zu einem ungetrübten Festtag für die Pilger wird. Für einen gläubigen Katholiken, also eigentlich für fast jeden Brasilianer, ist der Aufenthalt in Aparecida ein Highlight, eine Kombination von frommem Erlebnis beim Defilée vorbei am Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes und danach beim Essen, Trinken, Shoppen in der kreuzförmig gestalteten riesigen Mall oder beim Besuch des Vergnügungsparks samt Fahrgeschäften und Geisterbahn – alles auf kirchlichem Gelände rings um die gigantische Wallfahrtskirche gelegen. Der 1954 begonnene und bis heute nicht vollendete Neubau für eine kleine seit 1717 verehrte Marienstatuette gehört zu den größten Kirchen der Christenheit. Fassungsvermögen: 30.000 Gläubige, wie Dom Darci stolz erklärt. Weiterlesen

Mexiko: Virgen de Guadalupe und Abschluss der Reise

Von Cuernavace haben wir uns auf den Rückweg nach Mexiko Stadt gemacht und nochmals in der Casa Emaus Quartier bezogen für die letzten beiden Tage.

Ein Highlight war der Besuch des größten Wallfahrtsortes in ganz Lateinamerika bei der Mutter von Guadalupe. Spannend ist dabei, dass die Virgin ein Identitätspunkt und spiritueller Ort für alle Lateinamerikaner/innen ist: für die Christen und für alle Gruppierungen der indigen Völker. Überall auf unserer Reise ist uns die Virgin schon zuvor begegnet. Es gibt eigentlich keinen Haushalt, keine Fabrikhalle, keine Kapelle, keine öffentlichen Plätze ohne ein Bild der Virgin von Guadalupe. An ihrem eigentlichen Festtag, am 12. Dezember, treffen sich dort jährlich ca. 8 Millionen Menschen und auch jede Pfarrei und Diözese hat jährlich ihre spezielle Wallfahrt zu ihr. Weiterlesen