WJT: „Tagebuch eines Crack-Süchtigen“

Schrille Schreie, ohrenbetäubende Musik und verzerrte Gesichter. Auf der Bühne acht Jugendliche. Sie stellen nicht irgendetwas dar, sondern einen Teil ihres Lebens: die Wirklichkeit in einer Welt, die von Drogen beherrscht wird.

Wir sind zu Besuch im Adveniat-Projekt Casa do Menor in Nova Iguaçu. Diese ganze Stadt wird häufig als eine einzige Favela bezeichnet. Die Jugendlichen stellen ausdrucksstark durch eine Szene des Theaterstückes „Tagebuch eines Cracksüchtigen“ den Alptraum der Drogensucht dar. Ihre Gesichter lassen ablesen, dass dies kein fremdes Thema für sie ist. Viele von ihnen haben früher selber Drogen konsumiert oder kennen zumindest diese Realität ihres Landes.

Die Drogen und ihre Verkäufer lassen die Süchtigen wie Marionetten wirken. Sie sind nicht mehr Herr ihrer Sinne und verlieren sich. Überall lauert die Verführung, auch für die Jugendlichen in Nova Iguaçu. Durch das Theaterstück versuchen sie das Erlebte zu verarbeiten und uns zu vermitteln, wie das Leben in einer Welt aussieht, in der Drogen eine große Rolle spielen.

Regierung boykottiert Heime

„…Was ihr mir angetan habt“ (Mt 25,40) prangt über der Bühne des Theaterspiels. Die Casa do Menor ist ein Ort an dem die jungen Leute Zuflucht finden. Viele Jugendlichen, die dort in Heimen betreut werden, kommen aus schwierigen Verhältnissen, in denen Gewalt, sexuelle Übergriffe und Drogen präsent sind. Die Mitarbeiter von Casa do Menor sehen in jedem der Jugendlichen etwas Gutes, unabhängig von seiner Vergangenheit.

Das Projekt stößt jedoch auf Grenzen. Seit etwa zwei Jahren haben sich die gesetzlichen Verhältnisse verändert: Die Zuweisung der Kinder in die Heime muss gerichtlich erfolgen, die Mitarbeiter haben keine Chance mehr, selber Kinder aufzunehmen, deren Not sie kennen. Die Regierung boykottiert regelrecht Heime, die nicht in ihrer eigenen Hand liegen, schafft aber selber keine entsprechenden Alternativen. So verhindern die gesetzlichen Richtlinien, dass die Projektkapazitäten ausgeschöpft werden können. Momentan können deshalb nur vier von insgesamt acht Heimen von Casa do Menor eine Zuflucht für Kinder und Jugendliche bieten.

Text: Eva Schockmann, Fotos: Mareille Landau