Talkshows ohne Ende

Auch wenn es nichts zu sagen gibt, wird gesprochen. Stundenlang auf gleich vier verschiedenen Sportsendern reden sich die Experten die Köpfe heiß. Fußball – das ist in Argentinien ein Ganztags-Thema. Selbst zu belanglose Ereignisse wie das Vormittags-Training eines Erstligisten wird zum Anlass für eine Live-Schaltung genutzt. Die Moderatoren brauchen dabei Sitzfleisch. Bis zu acht Stunden kann eine Fußball-Talkshow dauern.

Besonders beliebt – weil sendeplatzfüllend – sind die Talkshows bei den Sendern, die nicht die Übertragungsrechte an den Spielen besitzen. Die Programme senden zwar live aus dem Stadion, zeigen wie sich die Teams aufwärmen, wenn der Schiedsrichter anpfeift, wird ausgeblendet, dann werden nur noch die Zuschauer auf der Tribüne gezeigt. Oder es wird geredet – über das was der Zuschauer nicht sehen kann. Die Sendungen haben vielversprechende Namen wie „Wir sprechen über Fußball“ oder „Heiße Debatte“.

Bei so viel Wortlastigkeit bleibt der Inhalt auf der Stelle. Manchmal fällt selbst den redegewandten Experten nichts anderes mehr ein, als mit dem Vorlesen von Temperaturen aus den Spielorten die Sendezeit totzuschlagen. Wirkliche neue Erkenntnisse bringen die endlos langen Talkshows nicht. Aber sind billig zu produzieren und bringen damit Geld, ebenso wie die Wiederholung historischer Fußballspiele. Argentinische Sportsender sind vor allem eines – gigantische Wiederverwertungsmaschinen.

Tobias Käufer aus Buenos Aires