Bolivien: Traum und Wirklichkeit in Villa Pagador

Villa Pagador, eine 47.000 Einwohner zählende Siedlung am Stadtrand von Cochabamba. Ein neuer Stadtteil, in dem die Bürger meist auf sich selber gestellt sind. Es fehlt an guten Jobs, an Infrastruktur und Möglichkeiten für die Kinder, sich auszutoben. Jetzt soll ein Fußballplatz gebaut werden, erzählt uns Abdias Torres, der Leiter der katholischen Basisgemeinde in Villa Pagador. Er zeigt auf einen Steinhaufen, wo einst die katholische Kirche stand. Sie habe dem zukünftigen Fußballplatz weichen müssen. Toll für die Kinder, schlecht für die Gemeinde!

Wir fahren ein paar Straßen weiter. Hier hat man für die Entschädigungsgelder für den Kirchenabriss, gut 60.000 US-Dollar, ein neues Grundstück gekauft, auf dem einmal eine neue Kirche samt Gemeindezentrum entstehen soll. Torres zeigt uns ein Styropormodell des Baus, für den man allerdings noch keinen Pfennig auf die Seite legen konnte. Schließlich war das neue Grundstück mit 80.000 US-Dollar dann doch etwas teurer als man gedacht hatte. Doch man ist guter Dinge, dass sich auch die Kirchenbaugelder auftreiben lassen werden.

Die Bau- und Grundstückspreise seien in den letzten Jahren massiv gestiegen, so Torres. Schuld daran seien die Drogenhändler, die mit vollen Taschen hierher kommen und die besten Grundstücke aufkaufen. Da können die einfachen Bürger nicht mithalten. Er selber leitet seit Jahren das Sozialunternehmen MESPAL, das den Hausmüll von Villa Pagador einsammelt und die wieder zu verwertenden Rohstoffe heraus zieht. Dafür erhalten Torres und seine 10 Mann starke Truppe Gelder von der Stadtverwaltung. Vom Verkauf der Rohstoffe, so meint er, könnte man nicht über die Runden kommen.

Er muss los zum Gottesdienst. Da es derzeit keine funktionierende Kirche gibt, versammelt man sich auf dem Innenhof eines dem Oblaten-Orden gehörenden Hauses. Stolz präsentiert Torres sein Styropor-Modell der neuen Kirche der begeisterten Gemeinde. Als er die Baukostenschätzung verkündet, zucken viele zusammen. Ein teurer Traum, den die Bewohner von Villa Pagador haben. Aber aus Träumen kann ja schließlich Wirklichkeit werden. Eins ist sicher: so leicht geben die Menschen in Villa Pagador ihre Träume nicht auf.

Thomas Milz