„Tröstet mein Volk“ – ein Bischof in Guatemala

Deutschlandradio-Reporterin Isabella Kolar und der guatemaltekische Bischof Julio Cabrera (Foto: Elisabeth Schomaker)

Deutschlandradio-Reporterin Isabella Kolar und der guatemaltekische Bischof Julio Cabrera (Foto: Elisabeth Schomaker)

Ein Strahlen huscht über das Gesicht der zierlichen Indigena-Frau in der bunten Bluse. Trotz des großen Gedränges hat sie ihren Monseñor, ihren Bischof, auf dem Markt von Chajul im Nordwesten Guatemalas entdeckt. Sie geht schüchtern auf ihn zu, er erkennt sie, tritt heran, umfasst ihren Kopf mit beiden Händen, lächelt sie vertraut an. Nur eine Szene aus dem Leben des katholischen Bischofs Julio Cabrera Ovalle – bezeichnend für seinen Umgang mit den Menschen in einer der abgelegensten Regionen Guatemalas.

Ein anderes Bild, ebenfalls in der Region Quiché: Nach einer Messe in der gut gefüllten San-Franziskus-Pfarrkirche in Zacualpa geht er nach der Austeilung der Kommunion zwischen den Kirchenbänken entlang Richtung Ausgang. In der Menge entdeckt er einen Bekannten, beugt seinen Bischofsstab in dessen Richtung, hält einen Moment inne und lächelt einmal mehr. Ein Moment der Stille in dem von Marimba-Klängen erfüllten Gotteshaus.

Die gepeinigte Region Quiché liegt ihm besonders am Herzen

„Tröstet mein Volk“ ist das Leitmotiv dieses Bischofs, der am 6. Januar 1987 von Papst Johannes Paul II. ernannt wurde, 15 Jahre in der guatemaltekischen Region Quiché gearbeitet hat und hinter dem 52 Jahre als Priester liegen. Die Diözese Quiché liegt ihm besonders am Herzen – hier wurde zu Beginn der 1980er Jahre von den damals herrschenden Militärs ein Genozid an der Mayabevölkerung verübt. Es hieß, Vertrauen bei den gepeinigten Menschen aufzubauen. Begleitet man Monseñor Julio Cabrera in diesen Tagen, dann begreift man, wie sehr ihm dies gelungen ist – dem heute 75-Jährigen, der jede Ecke der Region Quiche persönlich bereist hat.

Der Mann, der dort so viel Schreckliches von traumatisierten Menschen erfahren und mit durchlitten hat, sitzt an einem Dienstag Abend im Oktober voller Energie an einem kleinen Holztisch und lässt seine lebhaften hellblauen Augen über die vor ihm sitzenden Journalisten aus Deutschland wandern. Jedes Wort wird von einer Geste und einem nachdrücklichen Kopfnicken begleitet. An der silbernen, breitgliedrigen Kette über dem schwarzen Hemd hängt ein schlichtes Kreuz. Glücklich sei er darüber, was seit April diesen Jahres in seiner Heimat Guatemala passiert: über all die Menschen, die vor den Wahlen gegen die Korruption in der Regierung protestierten. Die sich empören. Es sei eine Zeit der großen Hoffnung für sein Land. Und er, der seine Diözese Quiché im Jahr 2002 verlassen musste, möchte bald als Un-Ruheständler dorthin zurückkehren. Eines ist klar: Kein Markt wird vor ihm sicher sein. Zum Glück, denn auch so tröstet er sein Volk.

Autorin: Isabella Kolar, Redakteurin und Moderatorin bei Deutschlandradio Kultur in Berlin

Mayavölker in entlegenen Bergdörfern, Menschenrechtsorganisationen in der Hauptstadt, Protestinitiativen gegen ein Bergbau-Großprojekt – das sind die Stationen der Pressereise nach Guatemala, die Adveniat mit neun Journalisten verschiedener Medien unternommen hat. Ihre Berichte werden im Herbst veröffentlicht: im Deutschlandradio und im Kölner Domradio, in der Südwestpresse oder der Schwäbischen Zeitung. Kleine Anekdoten „vom Wegesrand“ erzählen die Journalisten vorab im Adveniat-Blog. Für Isabella Kolar stand das Thema ihres Blog-Beitrags schnell fest: Sie war tief beeindruckt von Adveniat-Projektpartner Bischof Julio Cabrera und seiner Verbundenheit mit den Menschen in der Region Quiché.