Typisch Ecuador!

Wir haben Samstag, 9 Uhr – und die Erde bebt. Ich bin kurz irritiert, ist das wirklich ein Erdbeben? Aber ja, wie ich von Schwester Lourdes erfahre, gab es gestern in Peru ein schweres Erdbeben der Stärke 6,9 und das ist jetzt wohl nach Ecuador “gezogen”. Es war nicht lange, 10 oder 20 Sekunden, vielleicht kürzer – mein Zeitgefühl lässt mich dabei etwas im Stich. Aber lange genug um sich bewusst zu werden, dass die Natur ziemlich groß und stark ist.

Jedenfalls ist nichts passiert – soweit ich das hier aus unserer Wohnung beurteilen kann – und alles nimmt wieder seinen gewohnten Gang…

“Wir haben feriado!”

Nächste Woche ist Allerheiligen, und zwar am Dienstag. Der Feiertag ist zum Beispiel in Deutschland für nahezu alle Arbeitnehmer frei. Das Land des Äquators nimmt es da etwas flexibler – für den Tourismus sei ein Dienstag einfach kein guter Tag.

Und so hat die Regierung beschlossen, den freien Tag der Woche auf den Freitag zu legen und damit ein langes Wochenende zu konstruieren. Offiziell – also für alle öffentlichen Stellen – ist zudem der Mittwoch und Donnerstag frei, bei privaten Organisationen differiert das. Egal ob Dienstag oder Freitag: ein freier Tag ist ein freier Tag und die Menschen hier freut es. Dass die Ecuadorianer erst vor sechs Wochen von der feriado-Vereinbarung erfuhren, tut dem keinen Abbruch.

Ein Teil der Kultur, richtig?

Ich staune immer wieder, wenn ich zum Beispiel über den Markt laufe und sehe, was die Menschen hier normalerweise essen… es gibt paniertes Hirn, Meerschweinchen, Getränke aus Bechern, aus denen schon zehn andere Personen getrunken haben. Es ist nicht schlimm, aber ungewohnt.

Eine Stück indigene Kultur ist auch “colado morado”, ein traditionelles Getränk aus Maismehl und diversen Früchten, sowie ein Brot namens “guagua de pan”. Eigentlich wird das am zweiten November gegessen, aber wir haben schon kurz zuvor im “Centro de Infantil” den Brauch aufleben lassen. Die Kinder sind begeistert, lutschen an den mit Zucker verzierten “Broten” und nippen kontinuierlich an dem zähflüssigen Getränk. Nachdem alle Kinder versorgt sind, gönnen sich auch Hermana Lourdes, Hermana Ingrid und ich eine Ration – que rico! Köstlich sag ich da nur.

Vielleicht schmeckt paniertes Hirn und Meerschweinchen auch so gut…

Nicole Katitsch