WJT: Über den Dächern von Rio

Da der Weltjugendtag noch nicht begonnen hat und wir in den nächsten Tagen noch viel in den Projekten sein werden, haben wir uns heute einen typischen Touristentag gegönnt. So ging es als erstes auf den Corcovado, zum Wahrzeichen Rio de Janeiros, der 38 Meter hohen Cristusstatue.

Das Wetter schien uns jedoch einen Strich durch die Rechnung zu machen und auf dem Bildschirm, der die Spitze zeigte, war nichts als diesiges Grau zu erkennen. So bekamen wir auch direkt beim Einlass den Stempel auf unser Ticket, dass wir bei schlechter Sicht kein Geld zurück erhalten würden.

Aber papperlapap, wir haben ja Kontakte nach oben und kaum waren wir an der Spitze angekommen, riss die Wolkendecke auf und die Sicht auf Rio war uneingeschränkt und atemberaubend. Es war schon sehr beeindruckend ganz Rio unter sich liegen zu sehen am Fuße dieses riesigen Cristo. Natürlich trafen wir oben auf unzählige andere Menschen verschiedenster Nationen und knüpften schon erste Kontakte.

Zu Fuß auf den Pao de Acucar

Nach einem kurzen Besuch in der unter dem Cristo liegenden Kapelle (in der „Es ist ein Roß entsprungen“ aus den Lautsprechern drang) ging es direkt zum Pão de Acucar. Das erste Stück des Berges erklomm die Hälfte unserer Gruppe zu Fuß, und auch wenn der Aufstieg wahnsinnig steil, manchmal nicht ganz ungefährlich und recht anstrengend war (unter anderem weil unser Begleiter – ein hünenhafter Holländer – voran sprintete), hat sich jeder einzelne Schritt gelohnt.

Zu unserer Rechten erstreckte sich die Bucht des Meeres während sonst um uns herum nur dichtes Grün zu sehen war, in dem sich riesige Schmetterlinge tummelten. So viel Grün in einer solch riesigen Metropole hätte ich nicht für möglich gehalten. Den zweiten Abschnitt bewältigten wir wieder gemeinsam mit der Seilbahn und auch die Höhenängstlichen unter uns überstanden mit Unterstützung der gesamten Gruppe die etwas wackelige Gondel.

Auch der Blick von oben zeigte uns weitere grüne Oasen in der sonst dicht bebauten und mit 12 Millionen Einwohnern besiedelten Stadt. Der Sonnenuntergang auf dem Zuckerberg war dann der krönende Abschluss des Tages, nachdem die Stadt nur noch als Lichtermeer zu erkennen war. Nun hatten wir den Blick von der anderen Seite auf den erleuchteten Christo, der über der Stadt thronte.

Text: Doris Keil, Fotos: Mareille Landau