Venezuela: Isla Margarita


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Mit 30 minütiger Verspätung startete die Propellermaschine der staatlichen Fluggesellschaft Conviasa nach Porlamar auf Margarita. Dort kam ich gegen 14.00 h an.

Die Diözese Margarita besteht aus drei Inseln, von denen zwei bewohnt sind. Auf der Hauptinsel Margarita leben rund 650.000 Menschen, auf der zweiten, Isla Coche etwa 13.000. Die Isla Cubagua wird von den Fischern als Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Bis auf den Fisch wird quasi alles vom Festland importiert; auch das Trinkwasser. Es regnet lediglich im November und Dezember. Während der restlichen Monate ist es überwiegend trocken und hat immer eine Temperatur von über 30°C.

Politisch ist die Insel in der Hand der Opposition, die mit der Kirche ein gutes Miteinander hat: So finanziert die Provinzregierung einige Angestellter der Kirche und gibt einen, wenn auch geringen Zuschuss für den Unterhalt. Daneben hilft die Lokalregierung wie auch die Kommunen bei der Umsetzung von Bauprojekten. Im Verhältnis zu den anderen Diözesen Venezuelas steht die Diözese Margarita also sehr gut da. Auch ist die Insel, im Gegensatz zum Festland, sehr sauber und die Straßen sind in einem auffallend guten Zustand. Man versucht hat nach außen hin einen guten Eindruck zu vermitteln.

Wie mir meine Gesprächspartner einmütig berichteten, hat sich die Sicherheitslage im Verhältnis zu früher wesentlich verschlechtert. Während der vergangenen Monate April, Mai und Juni war sie sehr angespannt. Da die Insel überwiegend vom Tourismus lebt, hat die Provinzregierung versucht, der Kriminalität entgegenzuwirken. Bei der Einreise am Flughafen oder an der Fähre führt man seitdem scharfe Personenkontrollen durch. Dabei wird jeder Passagier fotografiert und die Fingerabdrücke mit den Personalausweisen verglichen. Damit konnte inzwischen die Kriminalität etwas eingedämmt werden. Dennoch gibt es auch auf der Insel Orte, wo man besser nicht oder nicht unbedingt alleine hingehen sollte.

Die Menschen der Insel sind sehr religiös. Der Bischof, der selbst aus der Provinz Táchira kommt, eine Region im andinen Teil Venezuelas, die für ihre Marienfrömmigkeit bekannt ist, erzählte mir, dass die Verehrung der Virgen del Valle wesentlich intensiver ist, als die, die er aus seiner Heimat kennt.

Am kommenden Tag konnte ich den Wallfahrtsort in El Valle besuchen, wo die Virgen del Valle in einer Basilika verehrt wird. Sie wurde vor genau 100 Jahren gekrönt. Dieses Ereignis hat die Pastoral der Diözese Margarita in diesem Jahr ganz wesentlich bestimmt. Der Kardinal und Erzbischof von Caracas zelebrierte zusammen mit 18 weiteren Bischöfen des Landes die Messe und hielt eine imposante Predigt, in der er die Situation des Landes, besonders die Sicherheitslage und der Verlust der christlichen Werte zum Gegenstand machte. Der Präsident hatte sich angemeldet, dann aber doch kurzfristig abgesagt. Die Marine, die für die Sicherheit sorgen sollte, bekam die Order, nicht an den Festlichkeiten teilzunehmen. Aber alles verlief friedlich und ohne Probleme. Die Virgen del Valle ist die Schutzpatronin der Marine.

Am Wallfahrtsort hat die Kirche ein kleines Museum eingerichtet, in dem die Gaben der Menschen  zusammengetragen worden sind, die sie der Virgen del Valle zum Dank spendeten. Es hatte vor einigen Jahren einen Einbruch im Museum gegeben. Die Diebe kamen aber nicht weit. Die Beute, die sie im Meer versenkten, wurde gefunden und wieder ins Museum zurückgebracht. Dort sind die Ringe und andere Gegenstände aus Silber und Gold vom Meer gezeichneten ausgestellt.

Am Abend besuchten wir noch ein sogenanntes Barrio, ein Stadtteil, in dem vor allem arme Menschen leben. Da der Pfarrer nicht da war und inzwischen die Nacht hereinbrach, beschlossen meine Begleiter, die gefährliche Zone zu verlassen. Die prekäre Sicherheitslage hat insgesamt  einen Einbruch der Besucherzahlen bewirkt, besonders der Touristen aus Europa. Zur Zeit kommen viele Kolumbianer und Argentinier. Wie bereits in den anderen Großstädten des Landes finden sich auch hier hohe Mauern mit Stacheldraht und Strom, um die Anwesen zu schützen. Zuvor konnte ich an den Hotelburgen der Touristen vorbeifahren, die durch einen privaten Wachdienst gesichert sind. Das ehemalige Hilton-Hotel, das der Präsident enteignen ließ, wird nun von einer staatlichen Gesellschaft betrieben. Von einem Einnahmerückgang wusste man nichts, während ein anderes, von der Regierung enteignetes Hotel, das nun von einer Kooperative verwaltet wird, nur noch mäßig funktioniert. Trotz aller Risiken vor Enteignungen und dem Rückgang der Besucherzahlen konnte ich feststellen, dass weiterhin viele neue Hotelanlagen gebaut werden. Der Markt wie auch die Nachfrage scheinen wohl vorhanden und attraktiv, so dass die Investoren die Risiken in Kauf nehmen.

Reiner Wilhelm