Venezuela: Los Roques – Veränderungen stehen an

Exprópiense! (enteignet sie!), war der Aufruf des Präsidenten Hugo Cháves vor zwei Wochen in seiner sonntäglichen Ansprache an das venezolanische Volk. Gemeint sind die Wochenendhäuser reicher venezolanischer Familien auf der Insel Madrizqui, einer der kleinen Inseln des Archipels Los Roques in Schlagweite der Hauptinsel Gran Roque. Das Archipel besteht aus mehreren hundert Inseln und Sandbänken. Es liegt gut 170 km vom Festland entfernt und steht unter Naturschutz. Los Roques ist bislang ein Geheimtipp für Schnorchler, Angler und Naturfreunde. Georg Bush soll hier wiederholt gefischt und Urlaub gemacht haben. Die Korallenriffe des Archipels sind bislang unberührt und gesund. Sie bieten vielen exotischen Fischen Heimat und Nahrung. Auch vom Aussterben bedrohte Schildkrötenarten haben hier ihre Brutplätze. Die Inseln stehen nicht zuletzt wegen ihrer Einzigartigkeit und Schönheit unter Naturschutz. Es ist wohl eines der letzten Paradiese der Erde.

Auf der Hauptinsel Gran Roque konzentriert sich der Hauptteil der Bewohner. Man erzählte mir, dass die rund 1.600 Einwohner überwiegend vom Tourismus und dem Fischfang leben. Die Besucher kommen überwiegend aus den USA und besonders aus Italien.

Der Flieger, eine Propellermaschine aus den 70er Jahren, brachte mich und die wenigen Touristen, die in der Nebensaison die Inseln besuchen, sicher nach Gran Roque. Die Ankündigung der Enteignungen hat unter den Bewohnern große Unruhe ausgelöst. Was der Hintergrund dieser Aktion ist und wozu man die Häuser brauchen könnte, hat der Präsident während seiner Ansprache offen gelassen. Die Leute sind gewarnt, besonders die Besitzer von Pensionen. Man glaubt, dass nicht wenige Bewohner von Gran Roque ihre Arbeit und damit ihr Einkommen verlieren werden. So sind in den vergangenen Tagen einige Familien gekommen, um persönliche Sachen und Geräte aus ihren Häusern zu holen. Man möchte Präsenz zeigen und die Häuser nicht freiwillig übergeben.

Auch während des Abendessens, wozu ich eingeladen war, waren die politischen Veränderungen in letzter Zeit ein wichtiges Thema: So hat der Präsident die Autoridad Unica der Insel, etwa vergleichbar mit dem Bürgermeister, ausgetauscht. Als eine seiner ersten Amtshandlungen kündigte er ab Oktober 2011 neue Steuern an und erhöhte die bestehenden. Da die Steuern vom Parteibuch abhängen, fühlen sich viele hintergangen und ungerecht behandelt, was Spannungen und Streit mit sich bringt. Bei einigen Pensions- und Restaurantbesitzern geht es wohl an die Substanz, so dass sich reger Widerstand formiert hat.

Daneben soll das Archipel zu einer neuen Provinzial unter Verwaltung eines Admirals umgestaltet werden. Welche Konsequenzen dies mit sich bringt, ist noch offen.

Reiner Wilhelm

Kommentar zu “Venezuela: Los Roques – Veränderungen stehen an

  • 7. Februar 2013 at 00:59
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    Los Roques ist ein wirkliches Paradies in der Karibik, dass noch unangastet ist, da kann ich nur zustimmen

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