Delegation: Von den zwei Welten und dem Händeschütteln im Chaco

Im Chaco gibt es zwei Welten: Die der Siedler, zum großen Teil deutschstämmige Mennoniten, und die der Indígenas. Fast 600 Kilometer sind wir durch den Chaco gefahren, von Asunción nach Norden. Gemeinsam mit leeren Viehlastern rollen wir über die einzige asphaltierte Strecke dieser Region, die Transchaco. Entgegen kommen uns Viehtransporter, auf denen Rinder blöken: Paraguay exportiert mehr Rindfleisch als Argentinien, und der Chaco ist die größte Weidefläche.

Täglich werden rund 1.000 Hektar Wald oder Macchiata pro Tag im Chaco gerodet, um Platz zu schaffen für neue Weideflächen. Mit großen Planierraupen reißen die Siedler das Gehölz aus dem Boden. Täglich wird eine Fläche von 500 Fußballfeldern in Paraguay abgeholzt. Aus dem gerodeten Holz wird Holzkohle hergestellt. 50.000 Tonnen Holzkohle pro Jahr sind es, die aus Paraguay vor allem nach Europa exportiert werden. In Deutschland wird die Holzkohle als Produkt aus „Abfallholz“ deklariert – so kann man es auch bezeichnen, wenn man den Wald gerodet hat, um den Raum für Viehzucht zu nutzen. Im „Chaco-Magazin“, einer Zeitschrift für die Viehzüchter, setzt man sich sogar kritisch mit der Waldrodung auseinander – und empfiehlt den Anbau von Eukalyptusbäumen. Die sind drei Jahre nach dem Pflanzen der Setzlinge so groß, dass man sie fällen und verkaufen kann.

Das Apostolische Vikariat Pilcomayo unterhält im Chaco eine Landwirtschaftsschule vor allem für Jugendliche aus den Indígena-Völkern. Bischof Lucio Alfert (rechts) zeigt Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck eine der Zisternen, die das Internat mit Trinkwasser versorgen; denn das Grundwasser im Chaco ist salzhaltig.

Das Apostolische Vikariat Pilcomayo unterhält im Chaco eine Landwirtschaftsschule vor allem für Jugendliche aus den Indígena-Völkern. Bischof Lucio Alfert (rechts) zeigt Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck eine der Zisternen, die das Internat mit Trinkwasser versorgen; denn das Grundwasser im Chaco ist salzhaltig.

Das „Chaco-Magazin“ erscheint zum Teil auf Deutsch, und an den Straßenrändern sieht man immer wieder deutschsprachige Bilder. In Filadelfia, dem Zentrum der Mennoniten im Chaco, gibt es sogar ein „Heimatmuseum“, das unter diesem deutschen Ausdruck firmiert. Die Mennoniten kamen aus dem deutschsprachigen Raum nach Paraguay, und im Chaco haben sie eine neue Heimat gefunden und ihre Sprache und Kultur bewahrt.

Inzwischen drängen aber vor allem brasilianischen Siedler in den Chaco. Land ist vergleichsweise billig, wird unter der Hand sogar von der Indianerbehörde „INDI“ verkauft, die doch eigentlich die Rechte der Indígenas schützen soll.

In Mariscal Estigarribia, bei Kilometer 525 der Transchaco, sitzt das Apostolische Vikariat Pilcomayo. Bischof Lucio Alfert, ein aus Westfalen stammender Oblatenmissionar, ist ein aufrechter Kämpfer für die Rechte der Indianer. Guariní- und Nivaclé-Indígenas leben im Chaco, allein die Nivaclé zählen rund 16.000 Menschen. Viele von ihnen reklamieren immer noch ihr Land, haben keine Rechte auf den Boden, auf dem ihre Vorfahren lebten.

Die Kirche unterstütze die Indianer in ihrem Kampf um Landrechte, berichtet Bischof Alfert. Gemeinsam mit ihm und Schwester Isabel Gómez González fahren wir in die Dörfer der Nivaclé. Isabel Gómez war 2012 als Adveniat-Aktionsgast in Deutschland und arbeitet als Begleiterin der Geeminden und Lehrerin bei den Nivaclé.

Nach dem Gottesdienst: Die  Katechetinnen aus dem Volk der Nivaclé posieren mit den Bichöfen aus Deutschland.

Nach dem Gottesdienst: Die Katechetinnen aus dem Volk der Nivaclé posieren mit den Bichöfen aus Deutschland.

Die Wege sind weit: 650 ilometer sind es von einer Seite des Vikariats zu anderen. Eine Fläche, die rund einem Drittel Deutschlands entspricht. In fünf Pfarreien ist das Vikarita aufgetailt, 8 Oblaten-Patres, zwei Weltpriester und 40 Ordensfrauen leisten die pastorale Arbeit.

In den Indianerdörfern geht es einfach zu. Die Zahlen verdeutlichen dies: 50 Prozent der Menschen leben in Armut, 30 Prozent in estreme Armut. Beim Gottesdienst am Abend, im Ort Campo Loa, wird dies deutlich. Diese Menschen leben nicht in Reichtum. Aber sie leben in Würde. Stolz präsentieren sie den Jugendchor, die Arbeit der Katechisten, ihre Kapelle.

Der Altarraum hat Wände, der Kirchenraum selbst ist nur durch eine niedrige Mauer nach außen geschützt. Das Dach ruht auf Pfeilern. Es ist bitter kalt an diesem Abend, und der Wind pfeift durch die Kirche. Doch die Freude über den Besuch aus Deutschland ist groß, allen müssen wir die Hand schütteln – gleich drei Mal: Vor der Messe, zum Friedensgruß und nach Abschied noch einmal. Das macht 750 Hände, die jeder aus der Adveniat-Delegation reichen durfte.

Christian Frevel