Von Würmern und Wundermitteln

Seit einer Woche wird unser Mitreisender Thomas Jung, Bildungsreferent von Adveniat, von einer lästigen Erkältung geplagt. Dabei mangelt es ihm nicht an zahlreichen gut gemeinten Tipps und Hausmittelchen.

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Der Naturista-Laden direkt beim Bischofshaus in Puyo um die Ecke hat gegen fast jedes Übel des Lebens das passende Mittelchen. Fotos: Achim Pohl

Das erste bekam er von den Indígenas in der Gemeinde Edén verabreicht: Eine große Tasse Schnaps mit Zitronensaft und Knoblauch. Altes indianisches Rezept, hatte man uns versichert. Thomas‘ Infekt zeigte sich davon allerdings gänzlich unbeeindruckt, aber immerhin ließen ihn die Mücken in Ruhe.

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Würmer gegen Krebs und Husten

Auf dem Zentralmarkt von Puyo verkauft man gegen solcherlei Unannehmlichkeiten „chontacuros“. Daumendicke, fleischfarbene Würmer, die sich träge durch eine Kiste voll Sägemehl wälzen. Ein traditionelles Heilmittel der Amazonas-Indianer, das fast gegen alles wirkt: Gegen Husten und Gastritis, kündigt ein großes Schild an dem Verkaufsstand an. Gegen Arthritis, Krebs und noch viel mehr, redet der schnurbärtige Verkäufer auf uns ein, während er mit einem fetten, faltigen Wurm vor unseren Augen herumfuchtelt. Er merkt wohl, das wir nicht auf sein Angebot anspringen und schwups: ist das glipschige Ding in seinem Mund verschwunden. Augenzwinkern, Daumen hoch, „muy bueno“, sagt er und schluckt ihn herunter.

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„Abre caminos“ gegen Lungenstau

Und wer’s noch umfassender möchte: der Naturista-Laden direkt beim Bischofshaus in Puyo um die Ecke hat gegen fast jedes Übel des Lebens das passende Mittelchen. Die Regale biegen sich unter der Last der Kerzen, Tinkturen, Räucherkerzen und Pillen zweifelhaften Inhalts: „Ven dinero“ steht da drauf, das lässt angeblich die Kasse klingeln. „Abre caminos“ entfernt Hindernisse und löst jeden Stau in Luft auf. „Llama cliente“: Ein paar Tropfen davon ins Ladenlokal geträufelt lässt die Kunden in Strömen kommen, versichert uns die Verkäuferin. Ob sie das denn auch selbst in ihrem Geschäft benutze, fragen wir. Sie schaut irritiert. Ne, tut sie nicht. Aha. So ganz scheint sie selbst nicht an den ganzen Zauber zu glauben. Und Thomas ist am Ende übrigens doch lieber doch zu einem richtigen Arzt gegangen.