Waschtag in Haiti

Zeit für Gespräche über Gott und die Welt: Schauspielerin Eva Habermann beim Waschtag im Schwesternhaus in Léogâne in Haiti, geminsam mit den Novizinnen des Ordens.

Zeit für Gespräche über Gott und die Welt: Schauspielerin Eva Habermann beim Waschtag im Schwesternhaus in Léogâne in Haiti, gemeinsam mit den Novizinnen des Ordens.

Nach dem heutigen Waschtag, der jeden Mittwoch stattfindet, bin ich mit mir im „Reinen“ , habe butterweiche Hände von der Seife und saubere Fingernägel wie nie zuvor, und ganz wichtig: Ich weiß Bescheid über Gott und die Welt. Das ist der Vorteil, wenn man mit Novizinnen Wäsche wäscht, die sind nämlich sehr gesprächig.

Also: Hier auf dem Terrain leben insgesamt zehn Waisenkinder im Alter von drei bis 17 Jahren. Sie wurden von den Schwestern quasi adoptiert aus christlicher Nächstenliebe. Ansonsten kümmern sich die Schwestern um die religiöse Erziehung in der Schule, die sich ebenfalls auf dem Terrain befindet.

„Bonjour la blanche“ – „Guten Tag Weiße“

Ich habe auch schon ein Lieblingskind: es heißt Clau, eigentlich Claude Vincent Pierre, aber das ist ein bisschen lang. Clau (4 Jahre alt) lebt hier bei den Schwestern, geht aber auch hier zur Vorschule. In der Schule ist er einer der Ruhigsten, während er hier im Schwesternhaus mit allen redet, direkt aufgedreht ist und mir ein fröhliches „Bonjour la blanche“ (Guten Tag Weiße) entgegen schmettert, wenn er mich sieht. Seine Mutter, selbst noch minderjährig, hatte ihn bei den Schwestern im Alter von ein paar Monaten in Obhut gegeben.

Heute Abend sitzen alle Kinder und Jugendlichen im Aufenthaltsraum des Schwesternhauses und knüpfen fleißig Loombänder für all ihre Freunde in der Schule. Oh weh! Bald hab ich keine mehr. 12.000 Bänder waren wohl noch nicht genug, wenn die ersten 6.000 bereits nach drei Tagen aufgebraucht sind… Aber die Kinder in Haiti basteln einfach für ihr Leben gern. Das ist auch sehr gemütlich: Man sitzt zu zehnt zusammen, unterhält sich teils auf Kreolisch, teils auf Französisch und knüpft Loombänder.

Geschmückt mit Evas Loombändern: Kinder im Haus der Ordensschwestern in Léogâne im Südwesten der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.

Geschmückt mit Evas Loombändern: Kinder im Haus der Ordensschwestern in Léogâne im Südwesten der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.

Kreolisch ist gar nicht soooo schwer, es kommt mir vor als müsse man nur teilweise die Wörter vernuscheln oder Buchstaben weglassen. „Bonjour“, also guten Tag auf Französisch ist „bonjou“ auf Kreolisch. Das Gleiche gilt für guten Abend. „Bonsoir“ wird zu „bonsoi“. Kleines Kind wie Clau zum Beispiel heißt „Timoun“.

Es gestaltet sich übrigens sehr schwierig in der Schule zu fotografieren, da die Kinder sich so selten auf Fotoapparaten sehen. Deshalb wollen sie (am besten alle Kinder auf einmal) nach jedem Foto sofort auf den kleinen Bildschirm gucken , brechen dabei in wildes Gekicher aus und reißen mir vor Begeisterung fast das Handy aus der Hand.

Morgen Mittag unternehme ich einen Ausflug in einen einheimischen Supermarkt. Mal sehen, was es dort so gibt.

Eva Habermann