Weihnachtsstimmung in den Tropen

Weihnachten in HondurasDem Arbeiter steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Gute sieben Meter hoch steht er in luftiger Höhe am Ende einer Leiter und versucht schwitzend, dem Plastik-Weihnachtsbaum vor der Dorfkirche von Mojarrás einen bunt glitzernden Stern auf der Spitze zu verpassen. Unten an der Basis spielen Kinder Verstecken in dem monstruösen Aufbau aus Draht und grün-rotem Flitter. Auf den Bänken rundherum sitzen einige Dorfbewohner im Schatten, fächeln sich Luft zu und feuern den Arbeiter an: „Mehr rechts, nach oben, so ist es gut!“
Weihnachten ist der Jahreshöhepunkt für die katholisch geprägten Honduraner. Und für die vermeintlich „richtige“ Stimmung, also den rot-weißen Kitsch-Kommerz US-amerkanischer Prägung, sorgt man auch in den Tropen. In der Provinzhauptstadt Choluteca haben einige Nachbarn schon fleißig dekoriert: in der stechenden Sonne leuchten aufblasbare Plastik-Nikoläuse neben funkelnden Rentier-Lichterketten. Und in den klimatisierten Einkaufszentren der Hauptstadt Tegucigalpa wetteifern verkleidete Weihnachtsmänner und Krippenausstellungen mit künstlichem Schnee um die Aufmerksamkeit der Kundschaft. Je bunter, lauter und funkelnder, umso schöner lautet die Devise.
Glücklicherweise sind noch nicht alle heimischen Traditionen darüber verloren gegangen. So gibt es noch immer die „Posadas“, ein von Nachbarn organisiertes Weihnachtsspiel, bei dem man in Gruppen jeden Abend zu einem anderen Haus geht und singend um Einlass und Herberge bittet – wie einst Jesus und Maria. Mit dem kleinen Unterschied, dass heutzutage für die Sänger die Türen aufgehen und sie mit Krapfen, Weihnachtspunsch und anderen Leckereien bewirtet werden.

Text: Sandra Weiss

Foto: Achim Pohl