Weniger Fische, weniger Regen

Choluteca. Fischer Ramón ist heute nicht aufs Meer gefahren. “Man fängt ja doch nichts”, sagt er resigniert und blickt auf den Golf von Fonseca im Dreiländereck zwischen Nicaragua, El Salvador und Honduras. “Seit Hurrikan Mitch hat sich hier alles verändert. Die Fische sind rar geworden, und der Meeresspiegel ist gestiegen.” Bei Flut und starkem Wind wird jetzt immer häufiger seine windschief auf Stelzen stehende Holzhütte direkt am Strand überschwemmt. Mit dem Fischerort Cedeño im Süden von Honduras ist es in den letzten zehn Jahren seit Mitch wirtschaftlich bergab gegangen. Auch drei Fahrtstunden vom heissen Meer entfernt, im Bergdorf Ojo de Agua hat sich das Klima verändert. “Früher war es hier um diese Jahreszeit richtig frisch”, sagt der Bauer José. “Heute kann man hier sogar Mais anbauen.” Doch die Wärme hat auch ihre Schattenseiten: es regnet viel weniger als früher. “Der Mais vertrocknet häufig, und unser Brunnen zuhause hat kaum noch Wasser”, klagt Josés Frau. Von Kopenhagen haben weder Fischer Ramón noch Bauer José jemals gehört.  Beide haben weder ein Auto, noch eine Waschmaschine, nicht einmal einen Gasherd. Gekocht wird mit Holz. Aber der Klimawandel ist für sie eine greifbare, dramatische Realität: Ihre Kinder sehen keine Perspektive mehr in ihren Heimatdörfern und gehen fort – in die Armengürtel rund um die grossen Städte oder gleich in die USA.

Autorin: Sandra Weiss

Foto: Achim Pohl