WJT: Die Wahl zwischen Gut und Böse

Es wird schlagartig ruhig im Raum, als die Katechese für die Kinder beginnt. Schwester Adma, die Leiterin der Gruppe, beginnt mit einem Gebet. Sie wählt das Beispiel eines Steines, dessen Nutzung von uns abhängt. Er kann genutzt werden, um jemanden zu erschlagen oder zu verletzten. Aber er kann auch zum Bau eines Hauses als Fundament dienen.

Nach und nach werden die Kinder zwischen acht und zwölf Jahren aufgerufen und immer wieder liebevoll einbezogen und persönlich befragt, ob sie verstanden haben was Schwester Fatima meinte. Einige der Kinder öffnen sich dabei und sprechen über ihre Gedanken und Assoziationen, andere wirken ruhig und bedächtig. Dann nimmt die Schwester das Handy eines Mädchens und nutzt es als Sinnbild. „Du kannst dieses Handy jemandem an den Kopf werfen, oder du kannst mit jemandem telefonieren und auch eine gute Nachricht überbringen. Es hängt von dir ab, du hast die Entscheidung über dein Tun.“

Die großen Dinge hängen an den kleinen Entscheidungen

Es klingt sehr logisch und einfach und doch kommen mir viele Gedanken dabei in den Kopf. Sind diese Kinder aus ihren Lebensgeschichten frei zu entscheiden oder scheinen viele Dinge nicht bereits vorprogrammiert? Und doch gefällt mir der Gedanke, dass die großen Dinge oft an den stetigen kleinen Entscheidungen hängen. Zum Schluss sollen wir als „die deutschen Gäste“ den Kindern noch einen Gedanken oder eine Botschaft mitgeben. Dabei kamen uns zwei Gedanken. Zum einen fiel uns das Bild einer Brücke ein, die wir mit Steinen bauen können – von Deutschland nach Brasilien. Und uns kam die Erinnerung an das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein und zieht doch große Kreise…“. Ein schönes Ende für diesen gemeinsamen Moment mit der Gruppe. Es wäre schön, wenn die ein oder anderen Steine als solche Erfahrungen ins Wasser fallen und Kreise ziehen würden.

Am späteren Nachmittag wurden wir noch zur Vorstellung von einer großen Gruppe hinzugerufen. Während wir vor den Eltern und Angehörigen von den Kindern standen, erfuhren wir, dass diese alle aus Favelas kommen und zu den sehr armen Menschen gehören, die teilweise auch noch schwerkranke Kinder haben. Die Familien werden von Amar unterstützt – sowohl finanziell als auch in ihrer persönlichen Entwicklung. Wir alle waren sehr berührt. So bekommen Schicksale persönliche Gesichter…

Text: Anna Limbach, Fotos: Mareille Landau