WJT: Nova Iguacu – Jugend an einem verlassenen Ort

Kinder, die auf der Straße leben. Kinder, die Fensterscheiben einwerfen und Feuer legen. Kinder, die von Drogenbossen erschossen werden. In Nova Iguacu malt die Realität das Bild der Jugend in dunklen Farben. Wir haben dort die Adveniat-Projektpartner von Avicres besucht, die sich um diese gestrandete Jugend kümmern. Beeindruckt, bewegt und nachdenklich gemacht, haben uns alle ganz unterschiedliche Eindrücke …

Gewalt beherrscht das Leben der Jugend

Die Gewalt der Drogenmafia ist im Kinderheim von AVICRES in Nova Iguacu präsent. Noch vor wenigen Wochen wurden zwei ehemalige junge Erwachsene, die ihre komplette Kindheit und Jugend in dem Kinderheim verbracht hatten, von der Drogenmafia ermordet, erzählte uns der Leiter der Einrichtung. Die Gründe für diese schrecklichen Verbrechen sind zum einen Eifersucht und Missgunst, zum anderen auch der Ärger der Drogenmafia darüber, dass diese Kinder nicht Teil ihrer Mafiastrukturen wurden. Immer wieder kommt es auch vor, dass die Mafia das Eigentum des Kinderheims zerstört, wie beispielsweise die von den Kindern sehr geliebte Schreinerwerkstatt. Fenster wurden zertrümmert, Tische zerhackt und Maschinen auf den Boden geworfen. Dass die Mitarbeiter von Avicres trotzdem immer wieder aufstehen und weitermachen, hat mich sehr beeindruckt.

Text: Florine Scherer

Oase zwischen Müll und Armut

In Deutschland haben wir 20 verschiedene Ärzte für fünf verschiedene Leiden. Wenn wir krank sind gehen wir ganz einfach mit unserer Krankenkassenkarte zum Arzt und bekommen eine Behandlung inklusive Medikamente. Hier in Brasilien ist das leider für viele Menschen nicht so einfach. In Nova Iguaçú gibt es zwei Millionen Menschen, aber nicht flächendeckend Ärzte und schon gar nicht für die Armen. Daher hat AVICRES eine Krankenstation ins Leben gerufen, in der ein Zahnarzt, eine Kinderärztin, zwei Psychologen, eine Frauenärztin und einen Physiotherapeut zusammen arbeiten. Die Patienten aus den Armenvierteln bekommen hier nicht nur eine Behandlung, sondern auch Beratung und durch die sehr beruhigende und freundliche Art der Mitarbeiter des eine familiäre Atmosphäre. Ein neuer Bestandteil des Projekts ist der Kräutergarten mit allen möglichen Heilpflanzen, in dem Patienten lernen können, welche Pflanzen zu was nutze sind und diese dann auch selbst anbauen können. So wird ein wichtiger Beitrag zur Selbsthilfe geleistet – eine Oase in der sonst von Müll und Armut gezeichneten Landschaft.

Text: Doris Keil

Mädchen finden ein neues Zuhause

Besucht haben wir auch ein Heim für junge Mädchen zwischen sechs und sechzehn Jahren. Alle diese Mädchen wurden gerichtlich aus ihren „Familie“ geholt und dort hingebracht. Der Leiter der Einrichtung betonte allerdings immer wieder, dass er das Wort Familie nicht benutzen wollte, weil die Herkunftsstrukturen dieser Mädchen keiner Familie gleichen. Meist lebt die Mutter mit verschiedenen Männern zusammen, Drogen und Gewalt spielen dabei immer eine große Rolle. Die Mädchen begrüßten uns sehr herzlich und der Gedanke, dass die Mädchen mit großer Aggressivität in ihrer Anfangszeit in dem Heim zu kämpfen hatten, war für uns kaum mehr vorstellbar. Er herrscht ein friedliches Miteinander dort. Nur bei genauem Hinsehen, wird an den Augen der Mädchen klar, wie sehr sie traumatisiert sind. Trotzdem zeigen sie uns fröhlich ihre Zimmer, die sie mit besonderer Mühe für uns hergerichtet und dekoriert haben und schenken uns von den wenigen Dingen, die sie besitzen noch etwas. Ein kleines Stofftier, ein Foto. Dabei wird uns klar, wie groß das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit ist. Einige kamen immer wieder zu uns, um sich eine Umarmung „abzuholen“ oder drücken sich regelrecht an uns.

Text: Anna Limbach, Fotos: Mareille Landau


Kommentar zu “WJT: Nova Iguacu – Jugend an einem verlassenen Ort

  • 23. Juli 2013 at 07:33
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    Ich bin sehr dankbar für die Informationen vom Weltjugendtag und erleichtert, daß die junge Generation offen ist für die Zusammenhänge, die in unserer Welt zu Gewalt, Ausbeutung und Kriminalität führen – und die Verantwortung, die wir Christen gemeinsam mit anderen Religionen für diese Zusrände haben. Seit früher Jugend beschäftigen mich diese Fragen, und sie haben mein Lebenskonzept weitgehend mitbestimmt. Danke! Johanna Gennes, inzwischen 76 Jahre alt

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