Wo sind die Touristen?

Im Bild: Aus sicherer Entfernung: Touristenbus bei Puerto Plata

Aus sicherer Entfernung: Touristenbus bei Puerto PlataPuerto Plata. Ich frage mich, wo all die Touristen geblieben sind – in den Straßen und im Zentrum der Stadt sind man so gut wie keine. Ich erfahre, dass die meistens alle innerhalb ihrer Touristenanlagen bleiben. Hier ist man auf „sicherem Terrain“, hier gibt’s alles umsonst, hier ist der Pool und die Bar. Für Rebeca Urena Alvarez muss unbedingt mehr getan werden, um die Touristen aus ihren Anlagen herauszulocken – und auch um einen anderen Touristen-Typ anzuziehen: selbständig Reisende, die mehr über Land und Leute erfahren möchten. „Die Touristen sollen auch etwas von uns, den Dominikanern, unserer Kultur, Traditionen, Religion erfahren. Und umgekehrt müssen auch die Menschen hier mehr vom Tourismus profitieren – nicht nur die Touroperators.“

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Im Bild: „Wir brauchen einen nachhaltigen Tourismus“: Rebeca Urena Alvarez der Vereinigung CLUSTER

Sie arbeitet für die staatlich unabhängige Dachvereinigung „CLUSTER“ – diese vereint verschiedene private Sektoren, die mit dem Tourismus zu tun haben (könnten)– Transportunternehmen, Restaurants und Cafés, Medienvertreter und Kulturschaffende, aber auch die katholische Kirche als Gründungsmitglied – und möchte die Entwicklung eines vielfältigeren, nachhaltigen Tourismus vorantreiben. „Sonne und Strand haben viele Länder, wir müssen weitere Anziehungspole schaffen“, sagt sie. Sie wehrt sich entschieden gegen die Assoziation „Domininkanische Republik – beliebtes Ziel für Sextouristen.“ „Prostitution gibt es in allen Ländern der Welt.“ Sie fügt lachend hinzu: „Die Leute kommen eben auch gerne, weil wir so nett und lustig sind.“

Gesundheitsvorsorge: gemeinsame Sache mit Barbesitzern

Zentraler Platz in Puerto Plata, Touristen sieht man hier keine

Im Bild: Zentraler Platz in Puerto Plata, Touristen sieht man hier keine

Abends sind wir mit zwei Frauen einer NGO unterwegs, die sich für die Gesundheitsvorsorge der – wie sie es nennen – Sexarbeiterinnen einsetzen. Die Leiterin, Alexandra Lister, engagiert sich außerdem noch in einem Projekt gegen Frauengewalt – unterstützt von Radio Marién, einem Sender in der Grenzstadt Dajabón, dem Adveniat hilft. Lister und ihre Kollegin Valentina de la Cruz sind handfeste, zupackende und fröhliche Frauen – sie kennen so gut wie alle Sexarbeiterinnen, die nicht auf dem Straßenstrich arbeiten, und jeden Bar- oder Etablissementbesitzer in Puerto Plata. Sie müssen mit ihnen zusammenarbeiten, um mit den Frauen ins Gespräch zu kommen und sie über die Gesundheitsvorsorge aufzuklären. Beide Frauen sind stolz, dass auch dank ihrer Arbeit in Puerto Plata die Aids-Rate nicht weiter gestiegen ist. Neben der Krankheitsprävention ist ihnen aber auch wichtig, dass die Frauen wissen, welche ihre Rechte sind und wohin sie sich wenden können, falls sie aus dem Geschäft aussteigen wollen. „Hier sind Einrichtungen der katholischen Kirche und ihre Angebote wichtig und hilfreich“, sagt Lister.

Text:Verena Hanf

Fotos: Jürgen Escher