Zugeknöpfte Maquilas

San Pedro Sula. “Es ist ja leichter, in den Knast zu kommen als in die Maquila.” Fotograf Achim Pohl ist sichtlich genervt. Seit einer Woche versuchen wir, einen Maquila-Besuch zu organisieren, doch alle Kanäle haben bis dahin versagt: der Industrieverband, die Kirche, persönliche Demarchen bei Maquila-Betrieben. “Die Anfrage geht direkt nach Montreal, und bisher habe ich noch keine Antwort”, antwortet mir eine freundliche Pressesprecherin von Gilden am ersten und am zweiten Tag. Am dritten sind alle dortigen Direktoren in einer Präsidiumssitzung, am vierten geht sie nicht mehr ans Telefon. Klarer kann eine Absage in Lateinamerika eigentlich nicht ausfallen.

Wir sitzen in der Klemme. Alles andere ist unter Dach und Fach – Interviews mit Unternehmern, Besuch bei Maquilaarbeiterinnen und Gespräche mit Menschenrechtlern – doch ohne den Besuch in einer der berüchtigten Fertigungswerkstätten droht die Reportage zu sterben. Ich telefoniere mir die Finger wund, bis die Handybatterie erschöpft den Geist aufgibt. Über Bekannte von Bekannten bekommen wir dann doch noch kurzfristig einen Termin beim Präsidenten des Maquilaverbands von San Pedro Sula. Beziehungen und Empfehlungen sind das A und O in Lateinamerika. Einen Fabrikbesuch will er aber am Telefon nicht versprechen. Achim setzt für den Termin sein Honduras-Käppi auf, ich werfe mich in meinen entwaffnendsten Minirock, setze ein unschuldiges Lächeln auf und verkneife mir jede kritische Frage – und, welch Wunder, am Ende des Interviews muss unser Maquila-Präsident nur einen Anruf tätigen, und die schweren Fabriktore öffen sich doch noch wie von Geisterhand für uns.

Autorin: Sandra Weiss

Foto: Achim Pohl