Zur Lachsforelle über Peru

Frische Lachsforelle an den sanft plätschernden Wellen des Titicacasees in Copacabana – so lautete das Versprechen nach vielen arbeitsreichen Tagen und den ersten Anflügen von Höhenkrankheit. Natürlich – wir sind ja nicht im Urlaub – musste auf der Fahrt von La Paz dorthin noch ein journalistisch wertvoller Termin absolviert werden.

Grenzgänger: Padre Pablo Oblitas

Wir sechs Gringo-Journalisten staunten nicht schlecht, als in Tiquina ein bolivianischer Priester in Soutane auf uns zulief. So stellt man sich nun mal nicht den aufgeschlossenen Pfarrer vor, der auch gerne indigene Riten und Gebräuche integriert. Doch als er von seinem Vater, dem Heiler aus dem Stamm der Kavallas berichtete und auch nicht verschwieg, dass ihm die Aymaras in den 23 Gemeinden seiner Pfarrei immer wieder Frauen anbieten, weil es sich nun einmal für eine Autoritätsperson gehört, verehieratet zu sein, waren die Vorurteile ob des sehr römischen Kleidungsstils schnell vergessen.

Wie die Kirche die weltlichen Grenzen überwindet …

Allein es wartet doch die Lachsforelle. Alle Versuche, nicht in noch eine Gemeinde fahren zu müssen, wurden von Padre Pablo Oblitas einfach weggelächelt. Nur noch schnell in eine Gemeinschaft „da bei der Grenze zu Peru“. Wenige Minuten später bremst der Bus scharf. Und selbst den Mitfahrern mit den geringsten Spanischkenntnissen war sofort klar: Das ist die Grenze, dahinter beginnt Peru. Nein, nein, Pässe brauchen wir nicht zu zeigen, wischt der Padre aufkommende Bedenken kurzer Hand weg. Er schüttelt einmal kurz dem Grenzposten die Hand und schon ist der Weg frei.

Endlich, die Lachsforelle!

Auf der Rückfahrt nach der Messe zu Todos los Santos (Allerheiligen) öffnet Padre Oblitas die Kette, die den Weg zurück nach Bolivien versperrt sogar eigenhändig. Die Kirche überwindet eben doch alle weltlichen Grenzen. Ach ja: Zur Lachsforelle, wahlweise zubereitet mit Knoblauch,  Zitrone, oder „teuflisch“, sind wir dann – wie fast immer – mit einigen Stunden Verspätung doch noch gekommen.

Text: Stephan Neumann
Fotos: Carolin Kronenburg

Kommentar zu “Zur Lachsforelle über Peru

  • 12. Juni 2013 at 13:52
    Permalink

    Hallo, habe mir heute Zeit genommen und ein bisschen in diesem Blog gestöbert. Finde schön, wie hier auch die Menschen der Reiseregionen beschrieben werden und aus derem Leben berichtet wird. Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht, dass die Leute der Gegend sehr nett und hilfsbereit sind. Man erfährt soviele interessante Dinge, wenn man sich die Zeit nimmt, sich mit Ihnen zu unterhalten. Fazit: Tolle Gegend und tolle Leute.
    Vielen Dank für den persönlichen Bericht

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