Die vielen Gesichter Asuncìons

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Im „Centro Comunitario de la Chacarita“ gestaltet Lisa Berndorfer Plakate für die Kinder aus einem der Armenviertel Asuncións.

Asunción hat viele Gesichter – Das durfte ich die letzten zwei Monate, die ich jetzt schon hier in Paraguay verbringe, feststellen. Allein die „Lapachos“ (eine gewisse Baumart), die die komplette Stadt im August in ein einziges Meer aus pinken und gelben Blüten tauchen, sind extrem atemberaubend und wunderschön. Auch die verschiedensten interkulturellen Seiten, die Paraguay zu bieten hat, beeindrucken mich immer wieder. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen hier sehr offen für andere Kulturen sind und offensichtlich davon profitieren. Neben dem von den Guaraní-Indianern übernommenen und sehr beliebten Getränk „Tereré“ findet man hier auch schnell einmal einen Kartoffelsalat nach deutscher Rezeptur. Asunción ist eine Stadt der Vielfalt und der Gegensätze, weswegen es viel zu entdecken gibt.

„Sie strahlen viel Liebe und Vertrauen aus, was auf Anhieb total ansteckend ist“

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Mit den Kindern von vier bis fünf Jahren malt, singt und spielt die Freiwillige Lisa Berndorfer.

Seit einigen Wochen darf ich nun schon ein ganz besonderes Gesicht Asuncións kennen lernen: Bei meiner Arbeit im „Centro Comunitario de la Chacarita“ werden Kinder aus einem der Armenviertel Asuncións betreut. Das Programm, in dem ich mithelfe, heißt „Abrazo“, was auf deutsch so viel wie „Umarmung“ heißt. Ich arbeite dort mit verschiedenen Kindern im Alter von vier bis fünf Jahren und wir malen, singen und spielen gemeinsam. Außerdem verpflegen und baden wir sie. Es macht mir sehr viel Spaß die Kinder immer besser kennen zu lernen und mit ihnen eine schöne Zeit zu verbringen. Auch wenn viele von ihnen keine Reichtümer im klassischen Sinn besitzen, geben sie mir unglaublich viel – Sie strahlen viel Liebe und Vertrauen aus, was auf Anhieb total ansteckend ist. Anfangs hatte ich allerdings mitunter ein mulmiges Gefühl, da mir bewusst war, dass ich persönlich nur bedingt helfen kann und das Schicksal vieler dieser Kinder schon durch seine Ausgangslage geprägt ist… Man schaut in die großen Augen, die womöglich schon mehr zu sehen bekommen mussten, als es mir vorstellbar ist; die Händchen, von denen man hofft, dass sie eines Tages keine Instrumente der Gewalt werden.

Ich denke, dazu ist es ein guter Anfang, ihnen eine spannende und liebevolle Kindheit zu bieten. Und daran arbeiten drei weitere Betreuerinnen und ich Tag für Tag. Ich durfte so beispielsweise schon ein bisschen kreativ werden und Plakate für die Dekoration des Raumes gestalten oder Kronen basteln. Ich genieße meine Zeit mit den Kindern sehr und freue mich täglich, wenn sie mich morgens stürmisch begrüßen oder ich ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann. Ebenso erhellt es meinen Tag, wenn ich langsam aber sicher ein paar der Menschen aus dem Viertel kennen lerne und auf der Straße freundlich von ihnen gegrüßt werde. Um dieses Umfeld allgemein noch ein bisschen besser kennen zu lernen, habe ich in nächster Zeit die wunderbare Möglichkeit, ein Ärzteteam zu begleiten, das ein paar der Menschen in diesem Viertel Zuhause besucht. Darauf freue ich mich schon sehr!

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Fußballspiele für Kinder aus Armenvierteln und ein Treffen mit Ex-Bayern-München-Star Roque Santa Cruz

Vor Kurzem hatte ich ein weiteres, sehr spannendes Erlebnis: Die Pastoral Social unterstützt ein Projekt, bei dem bis zu 1000 Kinder aus den Armenvierteln zu Fußballspielen ins Stadion eingeladen werden. Darüber wurde eine Pressekonferenz abgehalten, bei der ich dabei sein und den Ex-BayernMünchen-Star Roque Santa Cruz kennen lernen durfte. Am Ende wurden wir sogar für das Fernsehen zusammen auf deutsch interviewt! Es war eine unglaubliche Erfahrung und auch für viele der anwesenden Kinder war dieser Tag ein einmaliges Erlebnis. Voller Freude nahmen diese natürlich an dem darauffolgenden Fußballspiel teil und unterstützen lautstark ihre favorisierte Mannschaft. Ich genieße meine erste Zeit hier sehr und freue mich schon auf die kommenden zehn Monate in Paraguay.

Wie ich hier ganz besonders merke – Schönheit hat viele Gesichter.

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Text und Fotos: Lisa Berndorfer

Lisa Berndorfer verbringt als Freiwillige der DPSG und Adveniat ein spannendes Jahr in Paraguay.